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02.04.2020

Schnell, unkompliziert, wirksam: die Corona-Hilfe für KMU

Innert Wochenfrist haben Bund, Behörden und Banken das grösste Hilfspaket der Schweizer Wirtschaftsgeschichte geschnürt. Die SBVg war und ist mittendrin. Rückblick auf eine Woche Kreditprogramm.

Dieser Artikel wurde am 03.04.2020 aufgrund der aktuellen Geschehnisse aktualisiert.

Ein Sonntagmorgen im März, in einer Schweiz, in der nichts mehr ist, wie es einst war: Kein Sonntagsbrunch im Quartierkaffee, kein Enkelbesuch beim Grosi, selbst die Kirchentüren bleiben sonntags geschlossen. An diesem Sonntag wird Geschichtsträchtiges diskutiert: Vertreter von Banken, Behörden und Bund diskutieren an einer von der SBVg organisierten Telefonkonferenz, wie die Schweizer KMU schnell und unbürokratisch an Liquidität kommen. Die SBVg ist mittendrin; vermittelt, koordiniert. Die Zeit drängt, denn die Corona-Krise hat diverse Bereiche der Wirtschaft zum Erliegen gebracht . Viele Unternehmerinnen und Unternehmer sind existenziell bedroht. Ihre Einnahmen fallen ganz oder teilweise weg, die laufenden Kosten hingegen bleiben: Löhne, Mieten, Zulieferer, Zinsen. Nach diversen, eng aufeinander folgenden, virtuellen Krisensitzungen ist es geschnürt, das grösste Rettungspaket, das die Schweizer Wirtschaft je gesehen hat. CHF 20 Milliarden für Überbrückungskredite stellt der Bund für Schweizer Firmen bereit, um die Auswirkungen der Corona-Krise zu bewältigen. Eine enorme Summe – über ein Viertel des Bundesbudgets für das laufende Jahr. Am 3. April 2020 hat der Bundesrat entschieden, das Bürgschaftsvolumen für das KMU-Kreditprogramm auf insgesamt CHF 40 Milliarden zu erhöhen.

Finanzielle Unterstützung in der Krise

Unsere Mitglieder, die Banken, die mit ihren Firmenkunden täglich im Austausch stehen, erleben hautnah mit, was die Unternehmen zurzeit durchmachen. „Hilfe kommt!“, signalisierte der Bundesrat kurz nachdem er die „ausserordentliche Lage“ erklärte. Dass die Hilfe so rasch und unbürokratisch kommt, überrascht dann aber doch viele Beobachter. Sechs Tage – den eingangs erwähnten Sonntag eingerechnet – liegen zwischen Ankündigung und Umsetzung. Wie es gelungen ist, in so kurzer Zeit ein Kreditprogramm von beispiellosem Umfang auf die Beine zu stellen, erklären SBVg CEO Jörg Gasser und Oliver Buschan, Leiter Retail Banking & Capital Markets, in unserem Podcast „Stimmen des Finanzplatzes“.

Seit dem 26. März 2020 erhalten kleine und mittelgrosse Unternehmen, die aufgrund der Corona-Pandemie Umsatzeinbussen erleiden, finanzielle Unterstützung in Form von Krediten mit Solidarbürgschaften. Das Programm bietet zwei Arten von Krediten, die nach der Solidarbürgschaftsverordnung «COVID-19» verbürgt werden:

  • Covid-19-Kredit: Beträge bis zu CHF 0,5 Millionen pro Gegenpartei werden von den Banken unkompliziert ausbezahlt und vom Bund via Bürgschaftsorganisationen zu 100 Prozent verbürgt. Der Zinssatz beträgt aktuell 0 Prozent.
  • Covid-19-Kredit Plus: Beträge von über CHF 0,5 Millionen bis CHF 20 Millionen werden vom Bund via Bürgschaftsorganisationen zu 85 Prozent verbürgt. Vorausgesetzt ist eine vorgängige Prüfung des Antrags durch die Bank. Der maximale Betrag der Kreditfazilität liegt bei CHF 20 Millionen pro Gegenpartei.

Wort gehalten und geliefert

Die Banken stehen in dieser schwierigen Zeit, in der alle – auch die Finanzbranche – unter erschwerten Bedingungen arbeiten, zu ihrer Verantwortung als Kreditversorger der Wirtschaft. Einfach und schnell soll die Hilfe sein, das wurde versprochen. Und die Banken haben Wort gehalten: Ein A4-Blatt und in vielen Fällen weniger als dreissig Minuten für die Abwicklung. Das Verfahren für Kredite bis CHF 0,50 Millionen ist einfach: Die Covid-19 Kredit Kreditvereinbarung ausfüllen, unterzeichnen und an die teilnehmende Hausbank senden – damit hat der Unternehmer seinen Teil getan. Alles andere erledigen die Bank und die Bürgschaftsorganisationen. Bei Kreditbeträgen über CHF 0,50 Millionen braucht es neben dem Kreditantrag zusätzliche Unterlagen, da die Banken hier einen Teil des Risikos tragen und eine Kreditprüfung notwendig ist.

Ablaufplan Covid-19-Kredit
Ablaufplan Covid-19-Kredit Plus

Auf der Website des Bundes finden betroffene Unternehmerinnen und Unternehmer alle Informationen und Unterlagen zum Kreditprogramm.

Praxistest bestanden

Die Erfahrungen aus der ersten Woche des Programms zeigen: Die Hilfe kommt an und die pragmatische Lösung stösst in der Wirtschaft auf breite Akzeptanz. Kleine und mittelgrosse Unternehmen kommen mit dem Kreditprogramm rasch an die dringend benötigte Liquidität. Seit Inkrafttreten der Verordnung sind bereits rund 64'000 Kreditanträge eingegangen und knapp die Hälfte aller in der Schweiz registrierten Banken haben sich bereits für die Teilnahme am Programm angemeldet. Über CHF 12 Milliarden an Krediten wurden innerhalb der ersten Woche an Unternehmerinnen und Unternehmer ausbezahlt.

Mit der schnellen, unkomplizierten und wirksamen Unterstützung haben Bund, Behörden und Banken bewiesen, dass sie auch unter erschwerten Bedingungen im Interesse der Wirtschaft zusammenarbeiten. Nun sind unsere Mitglieder, die Banken, gefordert: Sie prüfen täglich hunderte Kreditvereinbarungen, beantworten Anfragen von Firmenkunden, schulen Kundenberater und bauen Kapazitäten aus, um die betroffenen KMU in dieser anspruchsvollen Situation zu unterstützen. Als Dachverband und Plattform wirkt die SBVg koordinierend und vermittelnd zwischen den Beteiligten und trägt dazu bei, dass flächendeckend und effizient vom Garantieprogramm Gebrauch gemacht wird. Damit Schweizer KMU rasch und wirksam Unterstützung erhalten und möglichst bald wieder zu alter Stärke zurückfinden. 

Weitere wichtige Informationen finden Sie auch auf unserer Informationsplattform und in unserem Podcast «Stimmen des Finanzplatzes»

Autoren

Lisa Kneubühler
Ehemalige Leiterin Digitale Transformation
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