SBVg empfiehlt konkrete Massnahmen zur Verbesserung der gemeinsamen Betrugsprävention im Schweizer Zahlungsverkehr
Zürich, 3. April 2025 – Mehrere Banken haben gemeinsam mit der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) im Rahmen einer Vorstudie mögliche Massnahmen zur kollaborativen Betrugsprävention im Schweizerischen Konto-zu-Konto Zahlungsverkehr untersucht. Die Vorstudie empfiehlt, drei konkrete Massnahmen weiterzuverfolgen: Umsetzung gemeinsamer Sensibilisierungskampagnen, vertiefte Prüfung eines Risikobewertungsdienstes auf Netzwerkebene und Förderung des produkt- und branchenübergreifenden Austauschs unter Betrugsexpertinnen und -experten.
Social Bookmarks
Technologische Entwicklungen bergen neben vielen Chancen auch neue Herausforderungen für die Finanzindustrie. In den letzten Jahren sind die Fälle von Internetbetrug weltweit und auch in der Schweiz weiter angestiegen. Betrugsversuche und Identitätsdiebstahl durch «Phishing» stehen dabei im Vordergrund, wie die Zahlen des Bundesamtes für Cybersicherheit (BACS) belegen.1
Vor diesem Hintergrund hat eine Gruppe von Schweizer Banken gemeinsam mit der SBVg und mit Unterstützung der Unternehmensberatung Acrea eine Vorstudie durchgeführt. Ziel der Vorstudie war es, mögliche Massnahmen zur weiteren Verbesserung der gemeinsamen Betrugsbekämpfung im schweizerischen Konto-zu-Konto-Zahlungsverkehr zu identifizieren und zu priorisieren. Die Ergebnisse basieren auf umfangreichen Recherchen zur kollaborativen Betrugsprävention, Interviews und Workshops mit Betrugs-, Rechts- und Compliance-Experten der Banken sowie auf mehreren Interviews mit ausgewählten Anbietern von Betrugsmanagement-Lösungen. Diese Aktivitäten wurden zwischen Ende August 2024 und Anfang März 2025 durchgeführt.
Empfohlene Massnahmen
Die Vorstudie der SBVg priorisiert drei Massnahmen zur Verbesserung der gemeinsamen Betrugsprävention:
- Umsetzung gemeinsamer Sensibilisierungskampagnen unter dem Dach von PayAttent!on.
Damit sollen die Ressourcen der Banken und bestehender Kommunikationsformate zur Betrugsprävention gebündelt und Präventionsmassnahmen besser aligniert werden. Mit der Initiative PayAttent!on soll eine wiedererkennbare Marke zu Betrugsprävention in der Schweiz mit grosser Reichweite etabliert und die breite Bevölkerung sensibilisiert werden. In einem nächsten Schritt sollen die Ziele, Aktivitäten und Governance von PayAttent!on weiter konkretisiert werden. Gemeinsame Kampagnen sind ab 2026 vorgesehen. - Vertiefte Prüfung eines Risikobewertungsdienstes auf Netzwerkebene.
Ein zentraler Anbieter soll einen Dienst entwickeln, der während der Eingabe von Konto-zu-Konto-Zahlungsdaten in Echtzeit einen Risikowert berechnet. Die Berechnung des Risikowerts erfolgt unter anderem durch eine Analyse auf Netz-werkebene mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen und könnte von den Absenderbanken nach eigenem Ermessen verwendet werden, z. B. als ein zusätzliches Signal in den eigenen Risikobewertungsmodellen der Banken. Als nächsten Schritt regen die an der Vorstudie beteiligten Banken an, dass die gemeinsame Zahlungsverkehrsinfrastruktur Swiss Interbank Clearing (SIC) eine vertiefende Machbarkeitsstudie zu diesem Thema durchführt. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) unterstützt dieses Vorgehen. - Förderung des produkt- und branchenübergreifenden Austausches unter Betrugsexpertinnen und -experten.
Mit Hilfe eines verbesserten Austausches unter Betrugsexpertinnen und -experten über verschiedene Zahlungsprodukte (z. B. Konto-zu-Konto-Zahlungen, Kredit- und Debitkarten, Twint, Kryptowährungen) und Branchen (z. B. Telekommunikationsunternehmen, Online-Marktplätze, soziale Medien) soll Wissen effizienter ausgetauscht und gemeinsame Betrugsbekämpfungsmassnahmen priorisiert und umgesetzt werden. In einem nächsten Schritt wird die SBVg basierend auf den Erkenntnissen aus der Vorstudie eine detaillierte Analyse durchführen und konkrete Optimierungsempfehlungen erarbeiten.
Die Finanzbranche muss sich kontinuierlich weiterentwickeln, um den sich ändernden Betrugsstrategien und der wachsenden Zahl an Betrugsversuchen zu begegnen. Die vorgeschlagenen kollaborativen Massnahmen aus der Vorstudie stellen wichtige Schritte dar, um diesen Entwicklungen wirkungsvoll zu begegnen.
Der vollständige Ergebnisbericht kann auf der Webseite der SBVg eingesehen und heruntergeladen werden.